Montero

Montero ist eine andere Welt! Ich dachte eigentlich, dass ich Peru schon einigermaßen kenne, aber es ist etwas anderes als die Orte, die ich bisher gesehen habe.

Wie ist Montero? Montero ist ein kleines Dorf, ländlich, mit rund 8000 Einwohnern in einem kleinen Tal und drumherum ist alles (!) grün. Es ist wunderschön! Es liegt im Norden Perus, etwa eine halbe Stunde von der ecuadorianischen Grenze entfernt. Von Piura aus sind es rund 180km landeinwärts, oder auch 3 Stunden mit dem Auto. Die letzte halbe Stunde gibt es keine asphaltierte Straße mehr und der holprige Weg wird oft von Kühen oder Eseln besetzt, die trotz Hupen kein Interesse daran haben aufzustehen. Im Vergleich zu anderen Städten Perus ist Montero ziemlich sauber, es liegt wenig Müll herum und auch im Fluss befindet sich mehr Wasser als Abfall. Auch wenn das Dorf klein und übersichtlich ist, habe ich es am Anfang doch einmal geschafft mich zu verlaufen. Tja, Umwege erhöhen die Ortskenntnis und auf diese Weise habe ich noch ein paar Leute kennengelernt. Mittlerweile kenne ich Montero und Montero kennt mich. Nicht unbedingt meinen Namen, denn der ist hier unaussprechbar, aber ich bin oft da und viele Leute wissen, wer ich bin und was ich mache. In Montero kennt im Prinzip jeder jeden und alle unterstützen sich gegenseitig. Ein Großteil der Monterinos arbeitet in der Landwirtschaft, die Gegend hier eignet sich hervorragend, um Kaffee und Zuckerrohr anzubauen.

Zur Monteriner Tagesordnung gehören auch regelmäßige Stromausfälle. Woran es liegt, weiß ich nicht, aber quasi täglich fällt im ganzen Dorf für eine zeitlang der Strom aus. Tagsüber ist das nicht der Rede wert, aber da bereits gegen 18Uhr die Sonne untergeht und die Stromausfälle gerne in die dunkle Tageszeit fallen, sitzt man oft komplett im Dunkeln da. Man hört nur hier und da einen Hund, ein paar Grillen und die Truthahnfamilie, die im Garten wohnt. Gut, dass ich meine Stirnlampe dabei habe (ein großes Dankeschön in dem Zusammenhang wieder an meine Basketballmannschaft, die sie mir letztes Jahr zum Geburtstag geschenkt hatJ). Neben Toilettenpapier ist sie mittlerweile fester Bestandteil meiner Handtasche. Ich teste zurzeit ihre Langlebigkeit und sie hat schon viele Stunden auf dem Buckel. Aber Stromausfälle sind hier kein Problem, es gehört irgendwie dazu, wobei es mittlerweile besser geworden ist.

Die Erntezeit für Kaffee ist zwischen Juni und September, jetzt ist also gerade Hocherntezeit und die Produzenten haben alle Hände voll zu tun. Der Kaffee wird in Montero geerntet und weiterverarbeitet, d.h. geschält, gesäubert und getrocknet. Anschließend wird er in Säcken verpackt und in die Fabrik von Cepicafe nach Piura gebracht. Dort wird er weiter gesäubert und die Schale wird entfernt. So wird er dann erneut verpackt und zum Export in den Hafen von Paita gebracht, der etwa 40 Minuten von Piura entfernt ist. Dort beginnt der lange Seeweg nach Europa, Japan oder in die USA, wo er von dem jeweiligen Importeur empfangen und weiterverarbeitet wird.

Aber zurück zu Montero. Wie schon erwähnt, ist Rohrzucker/Panela das zweite Produkt, das hier angebaut wird. Die Felder befinden sich im Umkreis des Dorfes und sind zu Fuß erreichbar. Die Erntezeit ist zwischen Mai und Dezember/Januar, hat sich aber aufgrund der starken und langen Regenfälle dieses Jahr verzögert, so dass vor rund drei Wochen erst mit der Ernte und Verarbeitung begonnen werden kann. Rohrzucker wird hier direkt in der Fabrik zu Panela weiter verarbeitet. Das läuft wie folgt ab: Zuerst wird das Zuckerrohr durch eine Pressmaschine gejagt. So wird der Rohrzuckersaft hinaus gepresst und läuft dann weiter in einen Behälter, wo er mit Filtern gesäubert wird. Anschließend wird er in drei Etappen erhitzt bzw. bei 200 Grad für einige Zeit gekocht. Dann kommt er in eine Art Wanne, wo er ständig umgerührt wird. Durch irgendeinen chemischen Prozess kristallisiert der flüssige Rohrzuckersaft und wird trocken und körnig – et voilà: Panela!  Es schmeckt ähnlich wie unser normal bekannter Zucker, aber längst nicht so süß, ist sehr gesund und komplett organisch. Es besteht nur aus Rohrzucker ohne weitere Zusatzstoffe. Lecker!

All das gehört auch zu meinem Tourismusprojekt, das von Fairtrade bzw. Cepicafe ausgeht. Man kann als Tourist also den ganzen Weg vom Zuckerrohr, Kaffee oder Kakao, über die Weiterverarbeitung bis hin zum Export kennenlernen. Ich finde es super interessant, denn wer kennt in unseren europäischen Gefilden schon eine Kaffee- oder Zuckerrohrpflanze?!?! Wir haben es jeden Tag morgens in der Frühstückstasse, haben aber keine Ahnung, wo es herkommt bzw. wie es angebaut wird. Ich kannte es vorher jedenfalls nicht. Mit Manuela de Rocco habe ich nun die letzten zwei Wochen eine Reportage darüber gemacht. Mit Kamera und Mikrofon bewaffnet haben wir Montero und alles, was mit Tourismus und Fairtrade zu tun hat, gefilmt und interviewt. Es hat sehr viel Spaß gemacht und wir haben vieles festgehalten und erlebt! Am Amüsantesten und zugleich Gewöhnungsbedürftigsten war dabei wohl unsere Hausspinne. Sie lebt eigentlich im Dach der Herberge, aber jeden Abend, wenn es dunkel wird, kommt sie raus, platziert sich an die gleiche Stelle an der Wand und wartet auf Beute. Sie ist groß, hat lange schwarze Beine und ist so weit oben, dass kein Schuh dran kommt. Wir haben sie Raymunda genannt. Alejandro sagte mir, dass die Spinnen nachts rauskommen und Leuten das Gesicht ablecken, wenn diese sich nicht gewaschen haben. Manuela fand die Geschichte nicht ganz so witzig wie ich… Ich glaube, dass es eine schöne Eltern-Erziehungs-Geschichte ist, damit die Kinder auch brav duschen und sich die Zähne putzen. So was wie bei uns in der Art: „Wenn du dein Essen nicht auf isst, gibt es morgen schlechtes Wetter“!

Über das Wetter müssen wir uns mittlerweile keine Gedanken machen. Der Regen hat aufgehört und das Wetter verspricht zurzeit viel Sonne und Wärme…auch wenn die Peruaner immer noch davon überzeugt sind, dass es doch Winter und recht frisch sei. Aber abwarten, Experten prophezeien für 2012 ein Niño-Jahr…mehr dazu ein anderes Mal.

Nun denn, viele Grüße aus dem für mich sehr warmen PeruJ!

Hasta luego!

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