Pacaipampa

Letztes Wochenende bin ich mit vier Mitarbeitern von Cepicafé nach Pacaipampa gefahren, wo sie einen Workshop zum Thema Düngemittel für Kaffeepflanzen gemacht haben. Sie fragen mich, ob ich mitkommen möchte – „Ja, gerne, wann geht es los?“ – „Freitag Abend gegen 20Uhr.“ Um 18Uhr wird mir gesagt, dass es zu knapp wird, wir werden also planmäßig erst nachts um 1Uhr losfahren. Freitag um 22Uhr werde ich angerufen, dass es später wird, wir treffen uns am Samstag um 10Uhr morgens im Büro von Cepicafé. Okay, kein Problem. Ich gehe morgens um 10Uhr ins Büro – „Schlechte Neuigkeiten. Das Auto und der Fahrer sind noch nicht da, wir fahren erst um 14Uhr los.“ Ich nutze die Zeit, um ein paar Mails zu schreiben und spontan mit meinen Eltern zu skypen. Um 15Uhr sitzen wir endlich im Toyota Hilux und fahren los. Geduld und Gelassenheit sind zwei Sachen, die ich hier definitiv gelernt habe. Ich habe vor kurzem in meinen Sachen eine Karte gefunden, die mir aus dem Herzen spricht: „Gelassenheit ist, wenn man sich nicht über Sachen aufregt, die man eh nicht ändern kann.“

Auf geht’s nach Pacaipampa, wo der Name Programm ist… Nach einer Stunde ist die asphaltierte Straße zu Ende und die Anden türmen sich vor uns auf. Mit durchschnittlich 30km/h kriechen wir die Berge hinauf, die Straße ist…sagen wir „uneben“ und ich fühle mich wie in einer Waschmaschine im Schleudergang. Und das vier Stunden lang;-)!

Zwischendurch machen wir einen Stopp in Santo Domingo, wo das jährliche Stadtfest stattfindet. Paco, der Chef des Rechnungswesens bei Cepicafé, empfängt uns und schon haben wir jeder ein Riesen-Brötchen mit Marmelade in der Hand und das Bier macht die Runde. Nein sagen geht nicht, das wäre unhöflich. 2 Stunden und 1 Kasten Bier (=12x660ml Flaschen) später fahren wir weiter, Berg rauf und runter. Ich werde müde und frage mich im Nachhinein, wie ich bei der holprigen Straße doch tatsächlich einschlafen konnte. Vielleicht liegt es auch an den vier Männern im Auto, die außerhalb des Büros komischerweise sofort in einen für mich schwer verständlichen „ich-komm-vom-Land-Slang“ verfallen und die sich ununterbrochen Anekdoten erzählen, die zu 95% von Ehe- und anderen Frauen, Fußball oder Bier handeln…

Um 23.30Uhr kommen wir an, ich überlege noch kurz, ob ich schnell unter die Dusche springe, bin aber schnell sicher, dass das Bett mich lauter ruft und verschiebe den Duschgang auf den kommenden Morgen. Ein Blick auf mein Handy sagt mir, dass wir so weit weg von allem sind, dass ich noch nicht einmal Handyempfang habe. Ein paar Stunden später, um 5.30Uhr klingelt der Wecker, ich schlurfe müde ins Bad – und merke, es gibt kein Wasser. Okay, hat sich die kalte Morgendusche also auch erledigt. Um 6 Uhr fahren wir los nach Livin, in das Dorf, wo der Workshop stattfindet. Bevor wir ankommen, wird noch angehalten, um zu frühstücken: Brot gibt es nicht und während die anderen gierig ihren Reis und Rindersteak verschlingen, würge ich mir Pommes mit Ei runter. Warmes, deftiges Essen  zum Frühstück ist hier normal, aber ich krieg es einfach nicht runter.

Der Workshop ist super interessant! Es geht darum, den Produzenten ein paar zur organischen Produktion akzeptierte „Rezepte“ zu geben, die sie günstig, einfach und schnell selbst zubereiten können, um die Kaffeepflanzen zu düngen bzw. vor Schädlingen und Insektenzeugs zu schützen. Ich kam mir dabei vor wie in Miraculix‘ Zauberküche. Man nehme 2kg von XY und füge 600g Trallala hinzu, rühre das Ganze rund 40 Minuten um, bis die Farbe sich von gelb nach rotweinrot geändert hat. Der magische-Zaubertrank-Touch rührte aber wohl auch daher, dass das Ganze in einem großen schwarzen Kessel über einem Holzfeuer draußen auf der Wiese zubereitet wurde. Für mich war es sehr interessant zu sehen, wie die bei Fairtrade vorgeschriebene technische Assistenz durchgeführt wurde. Bei Fairtrade geht es ja nicht nur darum, bessere Löhne zu zahlen, sondern auch darum, dass die Produzenten durch Fachpersonal (sprich: Agrarwissenschaftler) geschult und betreut werden, sie günstige Kredite bekommen, mit der Fairtrade-Prämie gemeinschaftliche oder sonstige Projekte auf die Beine stellen und keine Kinder auf den Feldern arbeiten.

Essenstechnisch wurden wir wieder viel zu gut versorgt. Um 11Uhr gab es Trockenfleisch, Reis und Kochbananen. Um 13Uhr stand wieder ein Teller mit Hühnchen, Reis und Yuca vor mir. Leise flüstere ich Fernando zu, dass ich doch eigentlich pappsatt bin und nix essen kann. Er sagt es mir nicht direkt, aber durch sein eindringliches Lächeln und der Aussage „Na, ein bisschen schaffst du doch.“ wird mir klar, dass ich nicht ablehnen DARF, weil es unhöflich wäre. Ich bin also satt für die nächsten zwei Tage (wobei die anderen vier abends um 22Uhr sich wieder Reis, Fleisch und Bohnen gönnen…). Um 14Uhr, nachdem Cepi noch einen Überblick über Buchhaltung und Einstiegs- / Zertifizierungsmöglichkeiten für neue Produzenten gegeben hat, kehren wir nach Pacaipampa zurück. Dort wartet das nächste Fest auf uns: Auf dem Plaza de Armas wird Volleyball gespielt, Cumbia-Klänge schallen von allen Seiten und das Bier lässt auch nicht lange auf sich warten;-). In der Hinsicht werde ich trainiert sein, wenn ich zurück komme.

Um 20Uhr machen wir uns auf den Weg nach Piura und nehmen noch eine junge Frau und ihr Baby mit. Da sie schlecht 5 Stunden hinten auf der Ablagefläche des Jeeps und auch nur ungerne eng neben einem Mann sitzen kann, einigen wir uns, dass ich mich vorne mit ihr auf den Beifahrersitz hinsetze. Ich bekomme den „Ehrenplatz“: Die Handbremse mit einem Kissen gepolstert;-)! Wunderbar unbequeme 5 Stunden liegen vor mir. Erfreulicherweise bietet mir die Mutter nach einer Stunde an, dass wir die Plätze tauschen könnten. Höflicherweise lehne ich zuerst ab, aber als ich merke, dass sie darauf besteht, nehme ich es doch dankend an und habe dadurch den bequemsten Platz im ganzen Auto ergattert:-)!

Um 1Uhr nachts kommen wir in Piura an und ich falle todmüde ins Bett. Fazit: Toller und sehr interessanter Ausflug, allerdings anstrengende Fahrt und weit weg! Wahrscheinlich fahren wir im November nochmal hin:-)!

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